Jolla: Ein Smartphone für Android-Apps ohne Google im Hintergrund

Jolla nennt sich das Smartphone, das mit dem Betriebssystem Sailfish ausgerüstet ist. Es wird vom gleichnamigen finnischen Hersteller vertrieben und kann aus der Schweiz ausschliesslich im Jolla Webstore erworben werden. Das Sailfish OS wurde ursprünglich von Nokia unter dem Namen MeeGo als neues Betriebssystem für Smartphones entwickelt. Nach der Übernahme von Nokia durch Microsoft ging das MeeGo-Betriebssystem an das Jolla.

Ansprechendes Gerät, gutes Betriebssystem

Die Hardware des Jolla phones hat ein gutes Design und ist solid, das Sailfish OS hat ein interessantes Navigationskonzept, das stark von den Konzepten bei den iPhones und den verschiedenen Android-Oberflächen abweicht. Das Jolla Phone ist aber nach einer Eingewöhnungsphase so brauchbar wie die Telefone der übrigen Hersteller. Das Sailfish OS setzt auf dem Linux-Betriebssystem auf, ist aber komplett unabhängig vom Google-Oekosystem. Im Sailfish OS ist aber die Googles Dalvik Engine implementiert. Das heisst, dass der grösste Teil der für Android geschriebenen Apps auf auf Jolla funktionieren. Die von mir getesteten Anwendungen haben keine Probleme gemacht. Interessant ist, dass Zugriff der Android Apps auf das Sailfish-Adressbuch unterbunden werden kann, allerdings nur für alle oder keine der Apps. Die mit Sailfish gelieferte Kalenderapp ist veraltet, sie hat keine brauchbare Wochen- und Monatsansicht, aus meiner Sicht ist sie unbrauchbar. Android-Kalenderapps helfen nur bedingt, da Sailfish den Kalenderzugriff aus Android-Apps nicht unerstützt. Es funktioniert mit Klimmzügen mittels einer Android-App, die das Caldav-Protokoll implementiert.  Der Jolla-Appstore liefert so gut wie keine brauchbaren Anwendungen. Der Google App Store ist auf Jolla nich verfügbar, die Apps müssen von alternativen Appstores, wie z.B. dem russischen Yandex Store bezogen werden. Damit ist der Gewinn an Sicherheit durch die Android Sandbox wieder zunichte. Ein Workaround ist die Installation App-Packages aus Android-Geräten Jolla. Dafür benötigt man aber nebst dem Jolla Phone noch ein zweiters Phone mit Android. Alle Updates auf Android-Apps müssen dann auf Jolla jeweils von Hand nachinstalliert werden.

Miserabler Support, teure Reparaturen

Problematisch ist der praktisch nicht existente Support von Jolla. Schon zwischen Bestellung und Versand des Phones verstrichen mehrere Wochen. Antworten auf Supportanfragen habe ich, wenn überhaupt, erst Tage oder gar Wochen nach einer Anfrage. Zweimal musste ich nach einigen Wochen nach der Anfrage Nachfragen, um eine Antwort zu erhalten. Reparaturen werden nur in Finnland gemacht, der Postversand erfolgt ausschliesslich über Fedex. Der Ersatz meines (von mir) beschädigten SIM-Kartenhalter würde gemäss Offerte von Jolla zusammen mit den Fedex-Versandspesen von etwa 120 Euro mehr kosten als ein neues Jolla. Jolla weigert sich, einen SIM-Kartenhalter in die Schweiz zu schicken, damit ich ihn selbst ersetzen kann.

Fazit

Absoluter USP von Jolla ist die Android-Sandbox, in der viele der Android-Apps isoliert laufen ohne Zugriff auf die Ressourcen des Telefons zu haben. Für Smartphone-Nutzer, die ein von Google unabhängiges Smartphone suchen aber trotzdem nicht auf die Nutzung der grossen Android App-Basis verzichten wollen, wäre das Jolla-Konzept eine interessante Lösung. Der katastrophale Support und die sehr hohen Reparaturkosten machen aber aus meiner Sicht diesen Vorteil des Jolla-Konzepts zunichte. Ich kann das Jolla Phone nicht empfehlen.

Linux statt Windows auf dem Desktop

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Wer auf dem Linux-Desktop Spezialwünsche hat, landet schnell auf der Kommandozeile.

Windows 10 bietet, wie die Betriebssysteme von Google und Apple schon lange, ein „verbessertes Benutzererlebnis“. Das erhält der Benutzer für wenig Geld aber um den Preis der Preisgabe seiner Daten. Anders als bei den datenhungrigen Smartphones gibt es für den Desktop-Computer aber Linux als alternatives Betriebssystem, z.B. in der Darreichungsform des Ubuntu Desktops. Ubuntu und die anderen Linux-Desktops halten sich zugute, dass sie nicht von kommerziellen Interessen getrieben sind, sondern vom Engagement und dem Idealismus freiwilliger Programmierer aus der Open Source Gemeinschaft leben.

Wie steht es nun um das Benutzererlebnis bei Ubuntu und anderen Linux Desktops? Auf einigermassen aktueller Hardware ist Ubuntu auch für den Laien tatsächlich problemlos installierbar. Bei der Nutzung scheiden sich dann aber die Geister.

Angestaubtes Office, nur rudimentäre Cloud

Als Office-Pakte ist bei Ubuntu die kostenlose Software Libre Office vorinstalliert. Ein Paket mit mächtiger Office-Funktionalität. Das Look&Feel von Libre Office entspricht aber noch immer dem von Microsoft Office 2003. Das Einbinden von Cloud-Speichern wie Dropbox oder OneDrive ist prinzipiell möglich. Gelegenheitsnutzer sind damit aber schnell überfordert. Libre Office bietet keine offiziellen Apps für die Arbeit mit Texten, Tabellen oder Präsentationen in Android und iOS.

Mail-Client: Ein 10jähriger Veteran, der nicht mehr weiterentwickelt wird

Ubuntu installiert den Mailclient Thunderbird. Dieser Mailclient ist reif und reich an Funktionen. Die Oberfläche lässt aber ebenfalls erkennen, dass die Software 10 Jahre alt ist. Und sie wird seit zwei Jahren nicht mehr weiterentwickelt. Thunderbird hat eine Kontaktverwaltung an Bord. Den Kalender (Lightning) muss man aber nachinstallieren. Man kann in  Thunderbird bzw. Lightning mittels herunterladbarer Plugins auch mit dem Google Kalender und den Google Kontakten synchronsisieren. Kalender und Kontakte werden damit kreuzweise synchronisiert. Ohne einen guten Schuss Computerkenntnisse und einem Basisverständnis von Computerchinesisch klappt das Konfigurieren der Plugins nicht.

Keine Alternativen für den Outlook-Client

Einen PIM-Client (Personal Information Manager) wie Microsoft Outlook mit integriertem Mail, Kontakten und Kalender gibt es unter Ubuntu auch (KDE Kontact). Die Oberfläche des KDE Kontact ist aber ebenfalls ordentlich  angestaubt. Die Kalendersynchronisation mit Google klaptt sogar übers Kreuz, wenn bei der Einrichtung einige für Windowsbenutzer ungewohnte Hürden zu überwinden sind (Anbindung einer Passwortverwaltung). Die Synchronisation mit Google Kontakten gibt es dann aber nur von Google nach KDE Kontact, und auch damit werden Löschungen von Kontakten in Google nicht mit KDE Kontact synchronisiert. Eine Synchronisation mit den Kontakten in Microsofts Outlook Cloud ist gar nicht möglich.

In einem Zeitalter, in dem ein Benutzer abhängig von der Aufgabe mit unterschiedlichen Devices (Desktop, Tablet, Smartphone) arbeiten möchte, ist so etwas nicht mehr brauchbar.

Updates

Bei meinen Tests klappten die Updates mit einem frisch installierten Ubuntu 14.04 gut. Werden mit frisch installierten Kubuntu 14.04 die Updates nachinstalliert, laufen die Systemdisks voll und das System ist nicht mehr zu gebrauchen. Zum Teil werden bei Ubuntu, zumindest in den LTE-Versionen, Programme installiert, die so alt sind, dass man sie nicht mehr benutzen kann, z.B. ownCloud Client. Nachinstallieren einer aktuellen Version geht nur über die Kommandozeile. Mein Netzwerkdrucker liess sich mit Ubuntu nicht installieren, das Installationsprogramm hängte sich auf.

Fazit

In den späten neuziger Jahren habe ich mich intensiv mit Linux beschäftigt, es auf einem Thinkpad installiert und es längere Zeit anstelle von Windows genutzt. Das war mit viel Bastelarbeit verbunden. Heute unterstützt Linux out of the box weit mehr Hardware wie Desktopgeräte, Laptops, Drucker, Scanner etc. als damals. Die grafischen Oberflächen von Ubuntu und den anderen Linux-Desktops sind ansehnlich und intuitiv bedienbar. Das ist positiv.

Bei allen von mir angeschauten Linux Desktop-Distributionen weht unter der Haube aber (derselbe) Geruch von leichtem Verfall. Die Standard-Tools wie Office und Mail sind überaltert und werden entweder schon seit  Jahren nicht mehr weiterentwickelt oder die Entwicklung basiert nach wie vor auf Architekturen aus den Neuzigerjahren. Wer auf seinem Desktop nur ein Mailen, Texte bearbeiten und Surfen will, ist mit Ubuntu & Co ganz gut bedient. Will er Peripherie dazu nutzen, z.B. Drucker oder Scanner, muss er schnell mit Problemen rechnen. Die Tips, die in den Ubuntu-Benutzerforen zu finden sind, sind oft unbrauchbar oder gar abenteuerlich. Die offizelle Ubuntu-Dokumentation ist ausführlich und gut. Aber auch hier gilt: Bei Lösungen wird der Benutzer schnell Mal auf die Kommandozeile verwiesen und tippt dann Befehle ab, von denen er keine Ahnung hat, was sie bewirken.

Der Linux Desktop hat seinen Höhepunkt wohl in den frühen Nullerjahren überschritten und seine besten Zeiten gesehen. Das wird sich nicht mehr ändern.

Gibt es Alternativen zu Smartphones von Google, Apple und Microsoft?

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Google, Apple und mit Windows 10 auch Microsoft lassen sich vom Benutzer ihrer Betriebssysteme weitgehende Rechte zur Analyse der Daten auf den genutzten Geräten einräumen, bis hin zum Recht, den Standort des Benutzers zu verfolgen. Wer ein solches Gerät nutzen will, kommt nicht umhin, diese Regeln zu akzeptieren oder auf ein Smartphone zu verzichten.

Es gibt drei exotische Smartphones-Betriebssysteme, die nicht an einem der Cloud-Ökosysteme von Google, Apple oder Microsoft hängen: Firefox OS, Ubuntu (Ubuntu Phone) und Sailfish (Jolla). Smartphones mit FireFox OS und dem von Ubuntu mangelt es an Apps. Auf dem Jolla Phone laufen zwar die meisten Android Apps, da Jolla aber den Google Appstore nicht lizenziert hat, muss der Nutzer sich diese auf alternativen Stores besorgen. Der von Jolla empfohlene russische Store Yandex isr nicht unbedingt eine bessere Alternative zum Google Store. Die Auswahl an Apps ist zudem stark eingeschränkt. Das von Jolla genutzte Betriebssystem wurde ursprünglich von Nokia entwickelt, es ist aber nicht einfach, an das Telefon heranzukommen. Es kann nur übers Internet in einem Finnischen Webshop gekauft werden. Vom Kauf bis zur Lieferung dauert es bei mir mehrere Wochen.
Ich habe das Jolla Phone nun einige Tage getestet und bin nicht überzeugt. Die Hardware und das Betriebsystem Sailfish sind o.k., die Navigationsphilosophie der Benutzeroberoberfläche ist erfrischend anders als gewohnt und überzeugend! Der Alltagsnutzen ist aber dann wegen der fehlenden Apps massiv eingeschränkt. Mehr in einem späteren Beitrag.

Fazit: Wer sein Smartphone nicht nur fürs Telefonieren nutzen will, kommt um ein Gerät mit Android, iOS Microsofts Windows für Telefone nicht herum. Und er ist gezwungen, den Nutzungsbedingungen dieser Firmen zuzustimmen, auch wenn es ihm nicht passt, dass er damit den Anbietern sehr viel private Daten zur Verfügung stellt.

Windows 10: Massnahmen zur Verbesserung des Benutzererlebnisses

Dass sich Google auf den Android Geräten und Apple auf den iPhones in grossem Stil an den privaten Daten ihrer Benutzer gütlich tun, ist bekannt. Mit Windows 10 fügt sich nun auch Microsoft in diesen Reigen ein.

Anfang August berichtete ArsTechnica, dass Windows 10 sich bei der Installation weitgehende Rechte zur Sammlung und dem Versand von Benutzerdaten einräumt. Wer das weiss, kann Windows diese Rechte allerdings wieder entziehen. Doch das entfernt natürlich nicht Sammel- und Versandfunktionen von Windows 10. Man  kann gutwillig davon ausgehen, dass Microsoft die gesetzten Privatsphären-Einstellungen heute und in Zukunft respektiert und dass Windows auch den installierten Drittanwendungen solche Aktivitäten verklemmt. Ein schlechtes Gefühl bleibt. Das meint auch der Tages Anzeiger und berichtet dazu, dass Microsofts Datensammlerei sogar den Schweizer Datenschützer aufgeschreckt hat.

ArsTechnica berichtet ebenfalls im August, dass der Streamingdienst Spotify über Nacht die Datenschutzregeln geändert hat und sich, zumindest in den USA, das Recht einräumt, von den Geräten der Spotify-Benutzer private Daten wie Kontakte, Mediendateien und anderes abzusaugen und sie für die „Verbesserung des Benutzererlebnisses“ zu nutzen. Und wenn der Benutzer nicht einverstanden ist: „If you don’t agree with the terms of this Privacy Policy, then please don’t use the Service“ oder auf Deutsch: Take it or leave it.

 

Markt in Aarau

Frühlingsgemüse bei Käsers Schloss
Frühlingsgemüse bei Käsers Schloss

Am Samstag machen wir die Lebensmitteleinkäufe immer am Wochenmarkt am Grabein in Aarau. Sicher der schönste Markt zwischen Baden und Solothurn. An Lebensmitteln gibt es alles was das Herz begehrt, angeboten von Gemüsebauern, Bäckern, Züchtern von Schweine- und Rindfleisch, Käse-Affineuren und.. und… und. Nur schon das Anschauen der Farben ist ein Genuss.